Wissenswertes zum Schattengarten
Die häufigsten Fragen nach unserem Fernsehauftritt in der 'Frankenschau' des Bayerischen Rundfunks
Fernsehgärdla des Bayerischen Rundfunks:
Rainer Goldmann im Gespräch mit Dr. Thomas Rex
Auf vielfachen Wunsch hier für Sie zum Nachlesen: Die am häufigsten gestellten Fragen zu unserem Schattengarten-Fernsehbeitrag in der Frankenschau des Bayerischen Rundfunks. War lange Zeit auf der Homepage des BR abrufbar, jetzt nur noch bei uns.
Was ist Schatten?
Auf den ersten Blick ist klar, was ‚Schatten’ bedeutet: Abwesenheit von direkter Sonneneinstrahlung, in der Natur meist hervorgerufen durch Bäume, im Garten häufig auch durch Gebäude. Es gibt aber große Unterschiede: Auf der Nordseite eines Hauses gibt es nie direkten Sonnenschein, trotzdem herrscht hier keine Finsternis. Diese Situation ist typisch für viele Vorgärten, da der Hauseingang meist auf der Nordseite liegt. Anders ist es zum Beispiel unter alteingewachsenen Bäumen, insbesondere Nadelbäumen: Hier ist auch der diffuse Lichteinfall von oben durch die Schirmwirkung der Baumkrone mehr oder weniger stark eingeschränkt, es erreichen nur weniger als 10% der Lichtmenge den Boden und es ist wirklich finster.
Nicht immer ist es leicht zu beurteilen, wie sonnig bzw. schattig ein Standort ist. Es fällt auch Gärtnern manchmal schwer zu entscheiden, ob ein bestimmter Standort nun vollsonnig, ‚absonnig’, leicht beschattet oder voll beschattet ist. Als Faustzahl kann man von ‚Schattenpflanzen’ sprechen, wenn sie an Standorten mit bis zu 20 % relativer Beleuchtungstärke vorkommen bzw. für Pflanzplätze mit Beschattung zwischen 9 Uhr und 15 Uhr geeignet sind. ‚Lichtpflanzen’ wünschen zwischen 9 Uhr und 15 Uhr mindestens 4 Stunden schattenfreien Stand.
Welche Farben sind im Schatten am wichtigsten?
Die wichtigste Blütenfarbe im Schattengarten ist gar keine Farbe, sondern WEISS! Gerade auf dunklen Gartenplätzen ist es wichtig, durch Pflanzen ein Gefühl von Helligkeit zu erzeugen. Dabei ist die Wirkung von Weiß übrigens nicht auf Blüten beschränkt, mindestens ebenso wichtig sind auch weißgezeichnete Blätter wie zum Beispiel Funkien (Hosta) mit weißem Rand oder weißer Blattmitte. Besonders gut wirken weiße Blüten oder weißgefleckte Blätter übrigens, wenn auch der Beethintergrund eher dunkel ist, zum Beispiel eine dunkelgrüne Hecke.
Wirkt auch durch das schöne weißbunte Blatt: Brunnera macrophylla 'Jack Frost'
Warum wächst unter meiner Blaufichte nichts?
Schattige Plätze unter bzw. vor Nadelgehölzen sind die am schwierigsten zu bepflanzenden Standorte im Garten. Ein Blick in die freie Natur macht uns kaum mehr Hoffnung: Unter alteingewachsenen Fichten wächst auch im Wald nicht einmal mehr Moos oder schütteres Gras. Grund hierfür ist die äußerst schwierige Kombination von TROCKENHEIT und SCHATTEN. Die Wurzeln vieler Nadelbäume sind sehr dicht und nahe unter der Erdoberfläche und beanspruchen nicht nur alle Nährstoffe, sondern auch alles bodenverfügbare Wasser für sich. Dies gilt übrigens auch für Thujahecken, auch diese haben ein sehr flaches und dichtes Wurzelwerk.
Folgende Abhilfemöglichkeiten gibt es:
- Gießen, gießen, gießen! Eventuell eine automatische Bewässerung einbauen. Nicht der Schatten, sondern die Trockenheit ist das wirkliche Problem.
- Zur Neubepflanzung unter alten Bäumen ist es oft sinnvoll, eine Schicht frischer Erde aufzubringen, zum Beispiel 10 cm Komposterde. Diese frische Erde gibt der Unterpflanzung einen wichtigen Startvorsprung, bevor die Bäume sich auch den neuen Wurzelraum erobern.
- Auswahl der richtigen Pflanzen! Wichtig ist nicht nur Schattenverträglichkeit, sondern auch die Fähigkeit, mit der Wurzelkonkurrenz von Gehölzen zurechtzukommen. Relativ gut vertragen dies einige Purpurglöckchen (Heuchera), Zwerg-Geißbart (Aruncus aethusifolius), Bergenien (Bergenia-Hybriden), Bodendecker-Clematis (Clematis x jouinana ‚Praecox’) , Maiglöckchen (Convallaria majalis), Falsche Alraune (Tellima grandiflora) sowie im lichten Schatten Blutstorchschnabel (Geranium sanguineum), Wildastern (v.a. Aster ageratoides und Aster divaricatus) und einige Fetthennen (v.a. Sedum hybridum ‚Immergrünchen’).
- Der radikalste Schritt (im wahrsten Sinne, radix = Wurzel) ist natürlich die Entfernung von problematischen alten Nadelgehölzen aus dem Garten! Deutlich besser geeignet aus Sicht der Unterpflanzung sind übrigens fast alle Laubgehölze wie z.B. Haselnuß und Felsenbirne sowie bei den Nadelbäumen die sommergrüne Lärche.
Welche Bodendecker vertragen Schatten?
Zuverlässig bodendeckende Pflanzen für den Schattengarten gibt es einige, nur die Größe und Auffälligkeit der Blüten ist recht begrenzt. Schöne Bodendecker im nicht zu trockenen Schatten (z.B. unter Rhododendron) sind Frühjahrsgedenkemein (Omphalodes verna) und Schaumblüte (Tiarella cordifolia). Für schwierige Plätze mit Wurzelkonkurrenz durch Gehölze eignen sich besonders Golderdbeere (Waldsteinia ternata), Teppich-Beinwell (Symphytum grandiflorum), Buntlaubiger Giersch (Aegopodium podagraria ‚Variegatum’), Elfenblume (Epimedium x perralchicum ‚Frohnleiten’) und natürlich die bewährten Alleskönner Efeu und Dickmarbel (Pachysandra terminalis)
Verträgt auch trockenere Plätze im Schatten: Bergenia Hybride 'Baby Doll'
Warum gibt es im Schatten so wenige Sommer- und Herbstblüher?
Fast alle Schattenpflanzen sind Frühjahrsblüher, es gibt nur wenige später blühende Arten. Das hat einen einfachen Grund: Die Heimat aller blühenden Schattenpflanzen ist der Wald und hier sind alle Blütenpflanzen bestrebt, möglichst vor dem sommerlichen Laubschluß der Bäume zu blühen. Denken Sie an den heimischen Laubwald: Hier ist der Waldboden ein einziges Blütenmeer von Windröschen, Lungenkraut, Lerchensporn und Märzenbecher, bevor Buchen, Erlen & Co mit ihrem Blätterdach im Mai der Blütenpracht ein Ende bereiten.
Einige sommer- und herbstblühende Schattenstauden gibt es trotzdem, die wichtigsten sind:
- Prachtspieren (Astilben) nur bei guter Wasserversorgung!
- Japanische Anemonen (Anemone hupehensis und japonica)
- Funkien (Hosta)
- Herbst-Eisenhut (Aconitum x arendsii)
- Bodendecker-Clematis (Clematis x jouinana ‚Praecox’)
Gibt es Ziergräser für den Schattengarten?
Die allermeisten Ziergräser wie Lampenputzergras, Blauschwingel oder Chinaschilf stammen ursprünglich von wiesenähnlichen Standorten und sind daher Sonnenkinder. Im Schatten oder Halbschatten wachsen sie nicht gut, machen dünne schwache Halme und blühen kaum. Es gibt aber auch schöne Waldgräser, die für den Garten geeignet sind. Viele von ihnen haben zudem noch den Vorteil, dass sie im Winter ihren immergrünen Blattschopf behalten. Empfehlenswerte Schattengräser sind z.B. Japansegge (Carex morrowii ‚Variegata’), Waldmarbel (Luzula nivea) und Waldschmiele (Deschampsia cespitosa ‚Goldschleier’).
Welches sind die empfehlenswertesten Schattenstauden?
Winterharte, gartenwürdige Schattenpflanzen gibt es in allen gemäßigten Klimazonen der Erde von Europa über Asien bis Amerika. Bei uns in Franken mit überwiegend recht geringen Niederschlagsmengen ist häufig nicht der Schatten, sondern die Trockenheit der begrenzende Faktor. Deshalb hier eine Auswahl von wertvollen schattenverträglichen Stauden, die sich auch in unserem mittelfränkischen Klima bewährt haben:
- Blütenstauden: Ahornblatt (Aceriphyllum rossii), Christophskraut (Actaea pachypoda), Windröschen (Anemone nemorosa und A.blanda), Waldanemone (Anemone sylvestris), Waldgeißbart (Aruncus dioicus), Haselwurz (Asarum europaeum), Prachtspiere (hier v.a. die relativ trockenheitsverträglichen Astilbe chinensis ‚Veronika Klose’ ), Sterndolde (Astrantia major, sehr empfehlenswert), Christrose (Helleborus niger), Salomonsiegel (Polygonatum spp.) und Lungenkraut (sehr gut z.B. Pulmonaria ‚Reginald Kaye’ und ‚Blauer Hügel’) sowie alle oben schon genannten Arten.
- Außerdem die schönen Waldgräser (siehe oben) und die Farne, insbesondere Frauenfarn (Athyrium filix femina), Wurmfarn (Dryopteris filix mas), Schildfarn (Polystichum setiferum), Tüpfelfarn (Polypodium vulgare, sehr trockenheitsverträglich) oder Hirschzungenfarn (Phyllitis scolopendrium)
Ein sehr robustes und immergrünes Schattengras ist Carex morrowii 'Icedance'



